Eine Zeremonie für Mütter und Väter, die ihr Kind durch eine Fehl- oder
Totgeburt verloren haben.
Für Eltern, deren Kind vor, während oder unmittelbar nach der Geburt stirbt, brechen Fragen nach dem Sinn und Warum in ihrer ganzen Radikalität auf. Die zaghaft beginnende Entwicklung eines Menschenlebens und alle damit verbundenen Hoffnungen, Wünsche und Zukunftsperspektiven werden durch den Tod jäh zerstört. Anfang und Ende des Lebens fallen brutal in eins.
Sich von jemandem zu verabschieden, der noch nicht richtig angekommen ist, fällt den Betroffenen meist schwer, da eine gemeinsame Vergangenheit mit dem verstorbenen Kind im Sinne gemeinsam gemachter Erfahrungen und Erlebnisse überhaupt nicht oder nur begrenzt besteht. Trauernde Eltern brauchen in dieser Situation besondere Hilfe und Unterstützung.
Die Bedeutung der Gräber für fehlgeborene Kinder kann kaum überschätzt werden. Ihr Sinn geht über die Bedeutung eines üblichen Grabes hinaus und beinhaltet wesentliche Punkte:
- ORT DER TRAUER, an dem die verwaisten Eltern in ganz besonderer Weise ihrer toten Kinder gedenken können.
- ORT DER EMOTIONALEN NÄHE, an dem sich die verwaisten Eltern ihrem Kind in besonderer Weise nahe fühlen.
- GESELLSCHAFTLICHE ANERKENNUNG DES TODES IHRES KINDES, insbesondere bei Kindern, die in der ersten Hälfte der Schwangerschaft sterben und bei denen die Umwelt nichts von ihrer Existenz mitbekommen hat. Durch die Bestattung wird öffentlich zum Ausdruck gebracht, dass die Eltern einen Grund haben, zu trauern, dass sie trauern dürfen und die Gesellschaft es ihnen zubilligt.
Das St.-Marien-Hospital hat auf dem oberen Teil des Friedhofs der Stadt Marsberg ein Grabfeld angelegt, auf dem alle Fehl- und Todgeburten, die von ihren Eltern nicht individuell beerdigt werden sollen oder können, bestattet werden.
Zwei mal jährlich findet ein Abschiedsgottesdienst in der Krankenhauskapelle mit anschließender Bestattungsfeier, zu denen die betroffenen Eltern ganz herzlich eingeladen sind, auf dem Marsberger Friedhof statt.