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14.09.2016

Live-Übertragung aus dem OP-Saal

Live-Übertragung aus dem OP-Saal

Einen direkten Einblick in den Operationssaal erhielten Patienten am vergangenen Mittwoch im St.-Marien-Hospital Marsberg, als die beiden Allgemein- und Viszeralchirurgen, Chefarzt Dr. Michael Bucher und Oberarzt Wolfgang Zwerenz, je eine Hernie operierten. Mittels Kameraübertragung erlebten die Zuschauer live, wie die als „Bruch“ bekannte Schwachstelle in der Bauchdecke operativ behandelt wurde und erhaielten dabei von den Chirurgen Erklärungen zu den Krankheitsursachen und dem Eingriff.

"Ein Problem ist, dass Patienten erst mit Einklemmung der Hernie als Notfall kommen", erläutert Bucher. Hernien sind Vorwölbungen des Bauchfelles durch angeborene oder erworbene Lücken in der Bauchwand. Ursache ist eine Bindegewebsschwäche. Durch erhöhten Druck im Bauchraum z.B. durch Husten, Pressen oder schweres Heben, kann es zum Austritt vom Darm durch die Lücke kommen. Im unglücklichsten Notfall sogar zur Abklemmung mit Darmschädigung. "Dann wird aus einem recht einfachen Eingriff eine komplexe Operation, die nicht nötig gewesen wäre", wissen Bucher und Zwerenz aus Erfahrung.   

Daher wollen die beiden Chirurgen aufklären und über die Bedeutung einer frühzeitigen Therapie informieren. Und setzten mit der live OP auf eine Methode, die einem breiten Publikum nur selten angeboten wird.  "Wir hoffen, dass viele Patienten die Angst verlieren, wenn sie live sehen, wie die Operation erfolgt und ihre Fragen direkt an den Operateur richten können", erläutert Zwerenz die Motivation der beiden Ärzte, sich während der Operation von einem Kamerateam begleiten zu lassen.
Über 1000 Operationen werden jährlich in der Allgemein- und Viszeralchirurgie des Marsberger Krankenhauses durchgeführt. Rund 140 davon sind Hernien OPs. Verglichen mit den rund 250.000 Neuerkrankungen, die jedes Jahr vor allem Männer in Deutschland erleiden, verhältnismäßig wenige. "Ein Grund ist auch, dass viele Patienten die Behandlung verschieben, vor allem wenn sie wenig Beschwerden haben.
Verständlich, wenn für alle jene, die landwirtschaftlich arbeiten, Hochsaison ist oder der langersehnte Erholungsurlaub vor der Tür steht." Doch auch wenn die Mediziner Verständnis für ihre Patienten haben, sie mahnen zur Vorsicht, da bei anhaltender körperlicher Belastung wie Feldarbeit oder auch intensivem Sport das Risiko steige, Komplikationen zu erleiden. "Deshalb sollte man einen Bruch niemals auf die lange Bank schieben und schon bei einem Verdacht auf einen Bruch den Arzt aufsuchen", empfiehlt Zwerenz. "Dann können Arzt und Patient gemeinsam entscheiden, ob eine Operation sofort erforderlich ist oder es medizinisch vertretbar ist, aufgrund der individuellen Lebenssituation, zu warten."

Die über 100 Besucher der beiden Live-OPs lobten das Engagement des Krankenhauses und die Aufklärungsarbeit. Diese scheint auch bereits gefruchtet zu haben. Die Anmeldungen idenr Sprechstunde sind deutlich gestiegen und bereits zwei Patienten haben eine notwendige Operation vornehmen lassen - zur rechten Zeit.

Chefarzt Dr. Michael Bucher und Oberarzt Wolfgang Zwerenz ließen sich bei der Operation zweier Hernien über die Schulter schauen.
 
 

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