13.08.2026

Fabian aus Köln bekommt am St.-Marien-Hospital in Marsberg Hilfe

Der lange Weg zu geraden Beinen

Über viele Jahre lebt Fabian Kappes aus Köln, 27, mit einer ausgeprägten O-Bein-Fehlstellung und zunehmenden Schmerzen. Was in der Kindheit bereits auffällt, wird im Lauf der Jahre immer schlimmer und führt schließlich zu einer erheblichen Einschränkung seiner Mobilität. Mehrfach wird ihm geraten, sich nicht operieren zu lassen - „Finger weg“ sei die Devise gewesen.

Die Fehlstellung verstärkt sich aber deutlich, bis hin zu einer massiven Varusabweichung (nach außen gebogene Gelenkfehlstellung) von nahezu 25 Grad.

„Ich habe mein ganzes Leben immer nur ein ‚Nein‘ gehört. In Marsberg habe ich zum ersten Mal ein ‚Ja‘ bekommen“, sagt Fabian rückblickend: „Als LKW-Reifenmonteur brauchst du volle Stabilität. Ohne sicheren Fuß geht gar nichts“, beschreibt er die Situation. „Irgendwann war das einfach nicht mehr gegeben.“

Neben den körperlichen Beschwerden kommt es zu funktionellen Folgeproblemen: Unter anderem nimmt Fabian durch die reduzierte Belastbarkeit zu, er leidet zunehmend unter seinem veränderten Gangbild. „Ich konnte kaum noch normal laufen. Das hat mich psychisch sehr belastet“, sagt er.

Über einen Arzt bekommt er schließlich den Hinweis auf eine spezialisierte Behandlungsmöglichkeit im St.-Marien-Hospital in Marsberg (MHM). „Ich bin mit sehr wenig Hoffnung gekommen“, sagt Fabian. „Das war für mich eigentlich die letzte Möglichkeit.“

Schon das erste Gespräch mit Dr. Ralf Beyer, Leiter des Zentrums für Chirurgie und Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie, sei für ihn ein Wendepunkt gewesen. „Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass mir wirklich jemand zugehört. Mit hat es gutgetan, dass das Team viel Geduld hatte.“

Beyer beschreibt den Fall als technisch anspruchsvoll, aber gut beherrschbar im spezialisierten Setting. „Natürlich möchte jeder Chirurg in erster Linie die Routineeingriffe durchführen, die sicher und standardisiert ablaufen. Wir haben viel Erfahrung in der Kniechirurgie, insbesondere bei Sportverletzungen und gelenkerhaltenden Verfahren. Dennoch war dieser Fall eine besondere Herausforderung.“

Die Komplexität lag nicht nur in der knöchernen Achskorrektur, sondern vor allem in der Gesamtbalance des Kniegelenks. „Wir sind keine Tischler“, so Dr. Beyer, „und arbeiten mit lebendigem Gewebe. Knochen sind nur ein Teil der Gleichung. Entscheidend sind Weichteile, Bänder und die gesamte Stabilität des Gelenks.“

Zur Korrektur der ausgeprägten Fehlstellung war eine biologische Rekonstruktion notwendig. Hierfür haben die Ärzte körpereigenen Knochenspan aus dem Beckenkamm entnommen. „Die entstehende Lücke kann so sicher überbrückt werden. Der Knochenspan unterstützt die Heilung“, erklärt Beyer.

Die Operation verläuft komplikationslos. Bereits am ersten postoperativen Tag wird Fabian durch spezialisierte Physiotherapeutinnen mobilisiert. „Es war einfacher, als ich gedacht habe“, berichtet er. „Die Schmerzen sind komplett weg.“ Stabilität und Belastbarkeit sind in seinen Alltag zurückgekehrt, ebenso das Vertrauen in die eigene körperliche Leistungsfähigkeit. „Ich fühle mich wieder sicher. Ich kann wieder normal arbeiten und mich bewegen“, sagt Fabian.

Das behandelnde Team ist von Fabian beeindruckt und glücklich über den Erfolg der Operation: „Wenn man sieht, wie jemand nach Jahren wieder schmerzfrei und stabil gehen kann, gibt das enorme Motivation“, so Dr. Beyer: „Solche Ergebnisse zeigen, warum wir diesen Beruf machen.“

Alexa Schulte, Physiotherapeutin, Mohammed Alshwebani, Oberarzt Klinik für Chirurgie, Dr. Ralf Beyer, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Chirurgie, Yasha Nahreini, Oberarzt der Klinik für Chirurgie und Fabian Kappes
Alexa Schulte, Physiotherapeutin, Mohammed Alshwebani, Oberarzt Klinik für Chirurgie, Dr. Ralf Beyer, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Chirurgie, Yasha Nahreini, Oberarzt der Klinik für Chirurgie und Fabian Kappes